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Diese private Website dient dazu, alle Informationen über die ehemalige Dampfziegelei und Chamottenwarenfabrik Jawurek & Co. in ehemals Zablacz-Oderberg (heute: Bohumín Záblatí, Okres Karviná in Tschechien) an einer Stelle zusammenzuführen und über diverse Internet-Suchmaschinen zur Verfügung zu stellen.
![]() Oderberg (Bohumín)
Der Ort befindet sich am rechten Ufer der Oder, welche hier mit der einmündenden Olsa die Grenze gegen Polen (früher Preußisch-Schlesien) bildet und wurde 1256 als Bogun erstmals urkundlich erwähnt. Mitte des 19. Jahrhunderts war Oderberg eine Kleinstadt mit 1.000 Einwohnern, um 1900 waren es 1.260 Einwohner und die heutige Stadt Bohumín hat 21.663 Einwohner (Stand Januar 2014). 1898/1899 wurde eine neue Straßenbrücke gebaut. 1902 wurde eine Pferdestraßenbahn von Oderberg nach Oderberg-Bahnhof eröffnet, welche 1903 auf Dampfbetrieb und 1916 auf elektrischen Betrieb umgestellt wurde.
Im Zuge der Auflösung Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg waren Oderberg und sein Umland zwischen der neu entstandenen Tschecho-Slowakischen und der Polnischen Republik umstritten. In einem Schlichtungsspruch des Höchsten Alliierten Rates wird das Gebiet zwischen beiden Staaten aufgeteilt. Oderberg fiel dabei an die neue Tschechoslowakei. 1924 wurde der Ort zur Stadt erhoben und gleichzeitig in Nový Bohumín (Neu-Oderberg) umbenannt. Durch das Münchener Abkommen vom 29. September 1938 verlor die Tschechoslowakei den Anteil des Landkreises Teschen mit Oderberg (nun Bogumin) an Polen. Nach der deutschen Eroberung im September 1939 gehörte Neu-Oderberg als Oderberg (Oberschlesien) zum Landkreis Teschen im Regierungsbezirk Kattowitz.
Am 1. Mai 1945 wurde die Stadt von sowjetischen Truppen eingenommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb Bohumín bei der Tschechoslowakei. 1949 wurden die Orte Bohumín mit Nový Bohumín, Pudlov, Skřečon, Vrbice und Záblatí in einer Gemeinde namens Bohumín zusammengefasst. 1954 wurde Bohumin in 5 Bezirke unterteilt: I. Starý Bohumín, II. Nový Bohumín, III. Pudlov, IV. Skřečoň, V. Záblatí. 1960 wurde Starý Bohumín wieder eine selbständige Stadt. 1973 wurde sie mit Nový Bohumín zur heutigen Stadt Bohumín vereinigt.
Quellen:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bohum%C3%ADn (PDF)
Die Ziegelei
Im Jahre 1890 gründete der in Rychvald lebende Unternehmer und dipl. Forstwirt Georg Adam Graf von Starhemberg (* 10. April 1904 in Eferding, † 12. Februar 1978 in Moosburg) Sohn von Ernst Rüdiger Fürst von Starhemberg und Franziska Fürstin von Starhemberg (geb. Gräfin von Larisch-Mönnich), auf der Fläche des ehemaligen "Koczendowez Hof" in ehemals Zablacz-Oderberg eine Fabrik zur Herstellung von Ziegeln, die "Starhemberg-Larisch Dampfziegelei".
Ungefähr 1933 übernahm Karl Jawurek (* 30. Mai 1885 in Heraletz / Moravský Herálec, † 27. Oktober 1976 in Bad Reichenhall), der bereits die Jahre zuvor als Obergutsverwalter aller Güter der Adelsfamilie Larisch-Mönnich tätig war, diese Ziegelei und einen integrierten land- und viehwirtschaftlichen Betrieb und benannte sie in "Jawurek & Co. Dampfziegelei und Chamottenwarenfabrik" um.
Diese Ziegelei lag auf einem Hügel namens Kočendovec knapp 2 Kilometer östlich vom Stadtzentrum Oderbergs (heute: Bohumín) im Ortsteil Zablacz in der heutigen Straße Rychvaldská 50, 73552 Bohumín, Tschechische Republik (49°53'51.9"N 18°22'55.6"E). Weitere Hausnummern der heute noch existierenden Gebäude der Fabrik sind 221 und 183.
Es existieren nur wenige Fotos aus jener Zeit und nur eine handgefertigte Skizze, die Karl Jawurek nach der Vertreibung 1945 aus dem Gedächtnis im Maßstab 1:500 anfertigte:
![]() Diese skizzierte Darstellung ist (abgesehen von den im Laufe der Jahre abgetragenen Gebäuden) weitestgehend deckungsgleich mit einem aktuellen, zum besseren Verständnis leicht modifizierten Auszug aus der Katasterkarte (Stand November 2014. Die Gebäude sind zur besseren Kenntlichmachung grau eingefärbt, der ehemalige Verlauf der nicht mehr bestehenden Bahnverbindung ist gelb markiert): ![]() Die Fläche der Ziegelei (ohne die zugehörigen weitläufigen angrenzenden Äcker und Wälder) umfasste eine Gesamtfläche von fast 50.000m2 und bestand im Wesentlichen aus folgenden Flächen und Einzelgebäuden (im Uhrzeigersinn):
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Quellen:
http://regiony.kurzy.cz/~nr/kn/ku/789216/mapa/ (PDF)
http://www.archives.cz/zao/opava/ (PDF)
http://badatelna.eu/fond/22256/ (PDF)
https://www.mesto-bohumin.cz/en/tiskove-konference/town-bohumin/pudlov-english/ (PDF)
http://www.kronikazelstanicebohumin.estranky.cz/clanky/bohuminske-vlecky/vlecka-cihlena-zablati.html (PDF)
http://de.wikipedia.org/wiki/Fanny_Starhemberg (PDF)
http://www.onb.ac.at/ariadne/vfb/bio_starhemberg.htm (PDF)
http://oldmaps.geolab.cz/map_viewer.pl?z_height=800&lang=de&z_width=1024&map_root=2vm&map_region=mo&map_list=O_4_X (PDF)
Die Bahnverbindung
Die Ziegelei war über einen eigenen 2256 m langen Bahnanschluss mit der Spurweite 1435mm (sog. "Normalspur") durch das Waldstück Baginec mit starkem Gefälle (27 Höhenmeter zwischen Ziegelei und Bahnhof) hindurch über den Anschluß an der Straße Lidická direkt mit dem Bahnhof in Oderberg (heute: Železniční stanice Bohumín) verbunden und verfügte auf dem Fabrikgelände über eine eigene Verladerampe und eine ca. 95 m lange und ca. 17 m breite Verladehalle, in der die Ziegel direkt über den Ziegel-Stapelplatz auf Waggons verladen und dann über Oderberg auf die Kaschau-Oderberger-Bahn weiterverfrachtet wurden. Zur Blütezeit der Ziegelei fuhren jährlich 400 Waggons über diese Strecke. Die Kaschau-Oderberger-Bahn war vor allem für den Güterverkehr von Bedeutung und verband das ungarische mit dem deutschen Schienennetz, transportiert wurden u.a. Agrargüter, Ziegel, Kohle, Erze und Bauholz.
![]() Dieses Anschlussgleis zwischen Ziegelei und Bahnhof (Železnice Bohumín nádraží - Baginec cihelna) wurde bereits 1949, kurz nach der Verstaatlichung ein Jahr zuvor, für ungeeignet befunden und wenig später abgebaut, heute erinnern nur noch vereinzelt Überreste an diese Strecke:
Mit dem ersatzlosen Wegfall des Bahnanschlusses wurde der Ziegelei ihre wichtigste Verkehrsverbindung genommen.
Quellen:
http://www.kronikazelstanicebohumin.estranky.cz/clanky/bohuminske-vlecky/vlecka-cihlena-zablati.html (PDF)
http://zrus-zan-zel.blog.cz/0804/zeleznice-bohumin-baginec-cihelna (PDF)
http://www.oberegger2.org/enzyklopaedie/kaod.htm (PDF)
Die Verstaatlichung 1948
Grundlage für die Verstaatlichung war der in den Jahren von 1940 bis 1945 durch die tschechische Exilregierung unter dem Vorsitz von Edvard Beneš ausgearbeitete "Zehn-Punkte-Plan" für die Ausweisung der deutschstämmigen Bevölkerung aus der wiedererrichteten Tschechoslowakei. Aufgrund dieser "Dekrete des Präsidenten der Republik" ("Dekrety presidenta republiky") wurden nach dem Krieg angefeuert durch eine starke antideutsche Stimmung mehr als 3 Millionen Sudetendeutschen die Staatsbürgerschaft und die Bürgerrechte aberkannt, man konfiszierte ihr gesamtes Vermögen und siedelte sie aus. Tausende von Industriebetrieben sowie Millionen Hektar landwirtschaftlichen Bodens wurden verstaatlicht. Georg Adam Graf von Starhemberg flüchete 1945 nach Östererich. Der weitaus größte Teil der Flüchtlinge, etwa eine Million, ließ sich in Bayern nieder, so auch Karl Jawurek, der ca. im Februar 1945 nach einer telefonischen Warnung des damaligen tschechischen Bürgermeisters von Oderberg vor einer unmittelbar bevorstehenden Attacke eines antideutschen Mobs innerhalb weniger Stunden überstürzt seine Heimat mit seiner Familie verließ und zunächst über Wachsenberg und Attnang in Österreich nach Bad Reichenhall in Oberbayern gelangte.
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Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bene%C5%A1-Dekrete (PDF)
http://www.epravo.cz/vyhledavani-aspi/?Id=18450&Section=1&IdPara=1&ParaC=2 (PDF)
Heutiger Zustand
Über die Nutzung der Gebäude nach der Zeit nach der Verstaatlichung zwischen 1948 bis 2005 ist wenig bekannt. Sicher ist aber, daß bereits auf einem Kartenausschnitt von 1952, also bereits 4 Jahre nach der Verstaatlichung, große Teile der Ziegelei (z.B. das eigentliche Ziegelwerk samt Ofenhaus und Trockenhalle, die Schlote, die Kohlenlager und Maschinenräume und mehrere Produktionsgebäude) sowie die Bahnlinie abgetragen sind:
![]() Die verbliebenen Scheunen, Wohn- und Lagergebäude sowie das Gutshaus wurden weitestgehend dem Verfall preisgegeben. Ab 1962 befand sich auf dem Gelände ein staatlicher Schweinemastbetrieb, später dann bis 2005 ein Auto-Schrottplatz.
Im Jahre 2005 wurde das einstige Staatswesen dann privatisiert und heute wird auf dem ehemaligen Fabrikgelände der Reitclub Bohumín Kočendovec ("Jezdecký klub Bohumín Kočendovec") betrieben und langsam wird in mühsamer Kleinarbeit wieder mit der Sanierung der noch übriggebliebenen und dem Aufbau neuer Gebäude begonnen:
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Quellen:
http://www.mapy.cz/zakladni?x=18.3797460&y=49.8970484&z=16&q=bohumin (PDF)
http://historickemapy.cuzk.cz/ (PDF)
http://jk-kocendovec.cz/ (PDF)
http://hlbedroom.rajce.idnes.cz/ (PDF)
Hinweise
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